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Meine Freundin hat vor kurzem den Mietvertrag für ihre neue Wohnung unterschrieben. Eigentlich keine außergewöhnliche Geschichte. Menschen ziehen ständig um. Doch was ich an ihrer Entscheidung bewundere: Sie macht nicht einfach nur einen Wohnungswechsel daraus. Sie nutzt die Situation für einen kompletten Neustart.

300 Kilometer entfernt.

Neue Stadt. Neue Umgebung. Neue Menschen. Ein neues Kapitel.

Während viele möglichst schnell wieder Sicherheit herstellen würden, entscheidet sie sich bewusst dafür, alles einmal auf links zu drehen. Und ehrlich gesagt: Ich bewundere diesen Mut.

Ich selbst bin eher der Mensch, der Vertrautes mag. Gewohnte Wege. Bekannte Orte. Mein Mann dagegen könnte wahrscheinlich morgen beschließen, woanders neu anzufangen, ohne lange darüber nachzudenken. Ich dagegen brauche Sicherheit. Obwohl mir durchaus bewusst ist, welche Chance in der Veränderung liegt.

Vielleicht beschäftigt mich ihr Umzug deshalb so sehr.

Er erinnert mich daran, wie stark unser Umfeld beeinflusst, wer wir sind — und wie schwer es manchmal ist, alte Muster zu verlassen.

Jetzt, wo meine Freundin umzieht, schwelgen meine Gedanken immer wieder in Erinnerungen an meine aktive Tanz Zeit.

Vor zehn Jahren war orientalischer Tanz meine absolute Lebensmitte. Ich stand auf Theaterbühnen, tanzte auf Festivals und verbrachte unzählige Stunden mit Training, Choreografien und Auftritten. Heute unterstütze ich Frauen dabei, ihren eigenen Lebensrhythmus wiederzufinden. Und auch wenn mein Leben heute anders aussieht, profitiere ich von allem, was mir der Tanz damals beigebracht hat.

Wenn der Körper automatisch das Alte wählt

Ein Auftritt fand auf einer Gewerbemesse statt. Kein glamouröses Theater. Keine besondere Atmosphäre. Eigentlich, war es sogar ziemlich trostlos.

Eine einfache Bretterbühne mitten in einer lauten Messehalle. Menschen liefen vorbei, blieben kurz stehen und gingen wieder weiter. Ein paar Stuhlreihen standen vor der Bühne, doch wirklich aufmerksam war kaum jemand.

Für Tänzerinnen nicht unbedingt die Bühne, von der man träumt.

Meine langjährige Tanzpartnerin und ich wollten an diesem Tag ein Stück aufführen, das ursprünglich für fünf Tänzerinnen choreografiert worden war. Diesmal standen wir allerdings nur zu zweit auf der Bühne. Also überlegten wir uns kurz vor dem Auftritt noch ein neues Intro, damit der Beginn trotzdem spannend wirkt.

Wir gingen die Änderungen direkt hinter der Bühne noch einmal durch.

Dann begann die Musik.

Und ich machte exakt das, was wir eigentlich vermeiden wollten. Ich verpasste meinen Einsatz und fiel automatisch in die alte Choreografie zurück. Mein Körper machte einfach das, was er gewohnt war.

Das Absurde daran: Noch wenige Minuten vorher hatten wir die neue Version besprochen. In dem Moment mussten wir beide lachen. Mitten auf der Bühne. Während der Performance.

Und genau dieser Fehler veränderte plötzlich alles.

Die ganze Anspannung war weg. Wir hörten auf, perfekt sein zu wollen. Stattdessen hatten wir einfach Spaß. Das Publikum reagierte sofort darauf. Die Stimmung wurde leichter. Wärmer. Echter.

Noch Jahre später sprechen wir über genau diesen Auftritt.

Nicht wegen Perfektion.

Sondern wegen des Gefühls.

Warum Veränderung in neuer Umgebung oft leichter fällt

Heute verstehe ich diesen Moment noch einmal anders. Damals dachte ich einfach, mein Körper hätte aus Gewohnheit reagiert. Aber eigentlich machen wir das ständig. Wir folgen vertrauten Abläufen.

Nicht nur beim Tanzen. Auch im Alltag. Besonders wir Frauen.

Viele berufstätige Mütter funktionieren seit Jahren in denselben Rollen. Sie kümmern sich. Organisieren. Denken an alles und jeden. Irgendwann laufen viele Dinge automatisch ab — sogar die Art, wie wir über uns selbst denken.

Genau deshalb verstehe ich mittlerweile, warum ein neues Umfeld so viel verändern kann. Neue Orte tragen keine alten Erwartungen. Niemand kennt dort die frühere Version von uns. Es gibt weniger automatische Abläufe, weniger emotionale Trigger, weniger eingefahrene Routinen.

Vielleicht lassen sich neue Gewohnheiten deshalb in einer fremden Umgebung oft leichter etablieren.

Meine Freundin nutzt ihren Umzug genau dafür. Nicht, weil sie vor etwas davonläuft. Sondern weil sie die Chance erkennt, bewusster zu entscheiden, wie sie leben möchte. Und ich bewundere sie dafür.

Nicht jeder Neuanfang muss radikal sein

Trotzdem glaube ich nicht, dass Veränderung immer einen kompletten Neustart braucht. Nicht jede Frau muss ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen, um wieder mehr bei sich selbst anzukommen. Oft beginnen Veränderungen viel leiser. Mit neuen Erfahrungen. Mit kleinen Entscheidungen. Mit Momenten, in denen wir bewusst aus unserem gewohnten Alltag heraustreten.

Ich selbst liebe Sicherheit und vertraute Strukturen. Ein kompletter Neustart wäre mir zu radikal. Trotzdem merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, sich neuen Herausforderungen zu stellen und eingefahrene Muster bewusst zu hinterfragen. Nicht unbedingt durch einen Umzug in eine andere Stadt, sondern durch Dinge, die uns wieder lebendig fühlen lassen.

Früher war der Tanz meine Bühne. Heute begleite ich Frauen dabei, ihren eigenen Lebensrhythmus wiederzufinden. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr erkenne ich, dass sich dabei eigentlich gar nicht so viel verändert hat. Denn schon damals, ging es nie nur um Tanzschritte oder Choreografien. Es ging darum, sich selbst zu spüren, den eigenen Ausdruck zu finden und wirklich präsent im Moment zu sein.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Kern von Veränderung. Nicht jemand völlig Neues werden zu müssen, sondern sich selbst wieder näherzukommen. Manche Menschen brauchen dafür einen neuen Ort. Andere nur eine kleine Veränderung im Alltag. Vielleicht reicht manchmal schon eine neue kleine Bühne im eigenen Leben, um wieder neue Seiten an sich selbst zu entdecken.

Und liebe Angelika, ich wünsche dir von Herzen den Mut, weiterhin deinem eigenen Weg zu folgen, vertraue deiner Intuition. Auch wenn wir uns künftig nicht mehr so oft sehen werden, bleiben all die gemeinsamen Erinnerungen bestehen. Manche Verbindungen verändern sich mit der Zeit — aber sie verschwinden nicht.

Lies hier wie du von der Rhythmus Analyse profitieren kannst.

Über mich, Kerstin die Blog Autorin.

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